Alemannia stellt Weichen für die Zukunft

Aachen: Der Spielbetrieb läuft ab der Saison 2018/2019 unter der neuen TSV Alemannia Aachen GmbH. Die neue Spielbetriebsgesellschaft verfügt über einen Gesamtetat von drei Millionen Euro.  Nachdem der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) am 24. April 2018 dem Aachener Turn- und Sportverein Alemannia 1900 e.V. (TSV Alemannia Aachen) die Zulassung zum Spielbetrieb für die Saison 2018/2019 der Regionalliga West ohne Auflagen und Bedingungen erteilt hatte, wurde jetzt die Rückübertragung des Spiel- und Geschäftsbetriebes auf den eingetragenen Verein im Grundsatz geregelt. Hierzu haben der TSV Alemannia Aachen und Dr. Christoph Niering als Insolvenzverwalter der Alemannia Aachen GmbH heute eine entsprechende Einigung im Grundsatz erzielt. Diese Vereinbarung bedarf noch der Formalisierung durch entsprechende Verträge.

Zwischenschritt über den eingetragenen Verein

Dieser sieht die Überschreibung der für den Spielbetrieb erforderlichen Wirtschaftsgüter der insolventen GmbH auf den eingetragenen Verein zum 1. Juli 2018 vor. Das betrifft vor allem die Geschäfts- und Betriebsausstattung, inklusive der Lizenzen und Markenrechte sowie des Internetauftritts. Hierfür zahlt der Verein den symbolischen Preis von einem Euro. Gleichzeitig übernimmt der e.V. vorübergehend sämtliche bestehenden Arbeitsverträge sowohl der Geschäftsstelle als auch im sportlichen Bereich sowie die Miet- und Dauerschuldverhältnisse der GmbH. Noch im Laufe des Juli 2018 wird der eingetragene Verein all das dann an die bereits gegründete TSV Alemannia Aachen GmbH übertragen. Somit ist gesichert, dass die Regionalligasaison 2018/2019 von Beginn an von der neuen Spielbetriebsgesellschaft verantwortet wird. „Damit haben wir die Voraussetzung für einen echten Neuanfang geschaffen. Die Alemannia kann ohne jegliche Belastung von Insolvenzfolgen in ihre Zukunft starten“, zeigt sich Dr. Martin Fröhlich, Präsident des TSV Alemannia Aachen, mit dem Erreichten zufrieden.

Präzedenzfall: Diffizile Verhandlungen mit den Verbänden

Ein solcher sogenannter ‚Asset Deal‘ ist in der Wirtschaft im Falle einer Insolvenz eigentlich gängige Praxis. Im Fußball handelt es sich allerdings um einen Präzedenzfall mit vielschichtigen Aspekten und komplexen Fragestellungen“, erläutert Dr. Dirk Kall. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Alemannia Aachen GmbH war vom Verein federführend mit dem gesamten Lizenzierungsverfahren betraut worden. Seit November 2017 verhandelte Dr. Kall mit Deutschem Fußball Bund (DFB) und WDFV in dieser Causa. Dabei stellte sich heraus, dass die Statuten des DFB es nicht erlauben, die Zulassung zum Spielbetrieb unmittelbar von einer Tochtergesellschaft eines Vereins auf eine zweite zu übertragen. „Folgerichtig gestalteten sich die Gespräche mit den zuständigen Verbänden durchaus diffizil und zeitintensiv. Sie wurden allerdings auch auf Seiten unserer Gesprächspartner äußerst konstruktiv und pragmatisch geführt. Wir fühlten uns von DFB und WDFV sehr gut begleitet, so dass wir am Ende den Weg der jetzt beschlossenen Zwischenlösung fanden“, so Dr. Dirk Kall.

Auch Karl-Heinz Schmid, Verwaltungsratsvorsitzender des TSV Alemannia Aachen zeigt sich zufrieden: „Mit dieser Regelung vermeiden wir ein langfristiges Risiko für den eingetragenen Verein. Das war eines unserer primären Ziele. Eine eventuelle Gefährdung des Gesamtvereins mussten wir unbedingt ausschließen. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, insbesondere Carsten Laschet für die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter und Dirk Kall für die Abstimmungen mit den Verbänden. Beides erfolgte in der in solch einem Fall gebotenen Stille und Sachlichkeit“, stellt Karl-Heinz Schmid, Vorsitzender des Verwaltungsrates des TSV Alemannia Aachen, klar.

Nichts mit dem Übertragungsverfahren zu tun hat der Ausgleich von Leistungen, die die Alemannia Aachen GmbH für den eingetragenen Verein erbracht hat. Hierbei handelt es sich um Zahlungen in Höhe von maximal 78.000 Euro für die laufende Saison. Diese Summe ist im Etat des eingetragenen Vereins bereits berücksichtigt.

Dreimillionenetat

Die neue TSV Alemannia Aachen GmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des TSV Alemannia Aachen e.V. Zum Geschäftsführer wurde Martin vom Hofe bestellt. Vom TSV Alemannia Aachen e.V. entsandte Aufsichtsräte sind Dr. Martin Fröhlich, Dr. Johannes Delheid und Thomas Gronen. Die von der Mitgliederversammlung 2017 zu Aufsichtsräten der Alemannia Aachen GmbH bestellten Dr. Dirk Kall und Michael Schleiden werden bis zu einer ordnungsgemäßen Neuwahl in das Gremium der neuen Gesellschaft kooptiert.

Der Gesamtetat der TSV Alemannia Aachen GmbH beträgt für die Saison 2018/2019 drei Millionen Euro. Davon stehen rund 1,2 Millionen Euro für den Sport bereit. Das sind im Vergleich zu laufenden Spielzeit 20 Prozent mehr. „Dieser Etat ist seriös geplant und solide finanziert. Dass wir überhaupt soweit sind, haben wir unseren treuen Sponsoren, Förderern und Unterstützern zu verdanken. In diesem Zusammenhang müssen wir vor allem den vielen Öcher Investörchen und Business Partnern Respekt zollen. Was unsere Fans und Partner hier auf die Beine stellen, ist beispiellos. Für alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen im Verein sollte das Ansporn und Verpflichtung sein“, stellt Dr. Martin Fröhlich klar.