„Aktionswoche Biotonne“ in der Kompostierungs- und Vergärungsanlage Würselen

Aachen: Im Rahmen der bundesweiten „Aktionswoche Biotonne“ lud der Aachener Stadtbetrieb interessierte Bürgerinnen und Bürger in die Kompostierungs- und Vergärungsanlage Würselen ein. Hier bekamen die Besucherinnen und Besucher einen Einblick in die Arbeitsweise der Anlage, die seit 2012 Bioabfälle aus 25 Städten und Gemeinde aus Stadt Aachen, StädteRegion Aachen und Stadt Düren verwertet.

Joseph Stiller, Bereichsleiter der Kompostierungsanlage in Betrieb der AWA Entsorgung GmbH, führt durch die Anlage und erklärt die einzelnen Schritte. An erster Stelle steht die Annahme. Hierhin werden die gesammelten Bioabfälle transportiert und abgeladen: ein Fahrzeug bringt bei Überladung bis zu zehn Tonnen Bioabfällen in die Anlage. „Zur Zeit haben wir viel leichten Grünschnitt in den Biotonnen“, erklärt Stiller, „wenn die Nässe im Herbst zunimmt, nimmt aber auch das Gewicht der Bioabfälle zu“.

An dieser Stelle können großteilige Störstoffe noch aus dem Abfall entfernt werden, dazu zählen Glas und Plastik. „Wenn das Glas zerbricht, haben wir aber keine Chance mehr den Abfall von diesem Störstoff zu reinigen“, sagt Stiller. Rund 95 Prozent der Bürgerinnen und Bürger würden ihren Bioabfall aber richtig trennen und keine Störstoffe hineinwerfen.

Eigene Wärmeversorgung durch Biogas

Im Fermentertunnel wird der Abfall grob zerkleinert und vergärt. Hier wird ohne Sauerstoff fermentiert und Methan entsteht. Der gesamte Prozess der Fermentierung dauert 21 Tage. Durch die Zersetzung entsteht flüssiger Dünger, der auf Grund der Schwermetallbelastung, beispielsweise in Stolberg und Eschweiler, nicht direkt als Dünger genutzt werden kann. Er wird dem internen Prozess wieder zugefügt und als Kühlflüssigkeit benutzt. Diese Kühlflüssigkeit wird zum Beispiel bei der Verbrennung von Biogas benötigt, was ebenfalls in den Fermentertunneln entsteht und einem Gasspeicher zugeführt wird. Das Biogas kann auf Grund der zu weiten Entfernung jedoch nicht in Wohngebieten und andere großen Gebäuden, wie dem Schwimmbad Aquana oder dem Krankenhaus Bardenberg, zur Wärmeversorgung genutzt werden. Es wird in einem Blockheizkraftwerk verbrannt und zum Beispiel zum Aufheizen der Anlage verwendet, was besonders bei im Winter gefrorenen Bioabfällen wichtig ist.

Kaffepads werden zu schwerwiegenden Störstoffen

Der übriggebliebene Gärrest wird dann wieder mit frischem Bioabfall vermischt und in der Intensivrotte kompostiert. In der Intensivrotte sterben Krankheitserreger und Pflanzensamen bei einer Temperatur von 60 Grad Celsius ab. Nach 14 Tagen wird der Kompost in die Nachrotte transportiert, die geschlossen ist und in der der Kompost bis zu 10 Tagen verbleibt. Er wird regelmäßig aufgelockert, um die Humusbildung zu fördern. Durch ein Gartensieb wird dieser Humus außerdem noch einmal von Störstoffen gereinigt. „Ein großes Problem haben wir mit Kaffeepads. Die sind nicht kompostierbar, landen aber trotzdem im Bioabfall. Wenn diese Pads zerbrechen fallen sie durch das Gartensieb und können nicht mehr hinausgefiltert werden“, erklärt Stiller. Um eine zu große Verunreinigung des Düngers zu vermeiden werden alle 1000 Tonnen Proben genommen und nach Störstoffen untersucht. Der fertige Humus der Kompostierungsanlage wird als zum Schluss als Dünger oder Bodenhilfsstoff in der Landwirtschaft eingesetzt.