Europawoche 2018: „Ich habe Vertrauen in unseren deutschen Rechtsstaat“

Herzogenrath: Wie geht es weiter mit Europa?  Eine elementare Frage, die im Mittelpunkt der diesjährigen Projektarbeiten zur bundesweiten Europawoche an der Europaschule Herzogenrath stand. Schülerinnen und Schüler der Oberstufe haben in Projektgruppen verschiedene Themenbereiche erarbeitet und präsentierten sie nun im Forum der Schule. Zu Gast war Arnd Kohn. Der 37jährige Stolberger ist gelernter Bankkaufmann und für Martin Schulz  vor gut einem Jahr in das EU-Parlament nachgerückt.  Mit einem „Brexit – Boogie Woogie“ eröffnete eine Schülergruppe unter Leitung von René Koerfer-Loosen musikalisch beschwingt die Veranstaltung. Schulleiter Michael Schmitt begrüßte den Europaparlamentarier und  ermunterte die Anwesenden zu einer regen Diskussion. Der didaktische Leiter, Jens Klein, erläutert: „Seit Februar diesen Jahres haben wir an dem europäischen Wettbewerb, der vom Rotary Club ausgeschrieben wurde, gearbeitet. Hierfür haben wir uns politische Felder der EU ausgesucht und dazu eigene Gedanken entwickelt.“

Mehrere Arbeitsgruppen stellten ihre Projektarbeiten vor, darunter waren Themen, wie die „Menschenrechte und Verstöße in verschiedenen Mitgliedsländern“, „Kann man Menschen in verschiedene Schubladen stecken?“, „Der Schengener Raum – wie die Sicherheit erhöht werden kann und der Schwarzmarkt begrenzt wird“, „Soll der Euro in allen Mitgliedsstaaten eingeführt werden?“, „Gehört der Islam zu Europa?“ und „Schulische Bildung – gemeinsame Herausforderung für Europa“.

Die Jugendlichen sind intensiv in die Bearbeitung der einzelnen Bereiche eingestiegen und haben ihre persönliche Wahrnehmung und ihre Vorschläge und Anregungen in die Präsentationen mit eingebracht. Kevin, 18 Jahre, formulierte seinen Eindruck zu Menschenrechtsverletzungen in Europa: „Gefühlt passieren in Osteuropa mehr Verletzungen als im Westen. Dagegen sollten Maßnahmen ergriffen werden, wie z.B. die Aufmerksamkeit durch die Medien erhöhen, die Bürger könnten dagegen demonstrieren und Verstöße melden.“

Die Flüchtlingsproblematik wurde in der anschließenden Fragerunde aufgegriffen. Arnd Kohn: „Dies ist ein schwieriger Themenbereich in der EU. Ich habe Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat und bin mir sicher, wenn Unrecht geschieht, dass man gehört wird. Flüchtlinge haben die gleichen Grundrechte wie wir alle auch.“ Kohn appelliert in der weiteren Diskussion an die Schüler: „Seid wachsam, wenn Euch etwas Unrechtes auffällt. Wir haben Lösungen im Koffer – wir müssen nur damit umgehen.“ Einhellig wollte keiner der Anwesenden wieder zurück zu den Zeiten vor dem Schengener Abkommen und damit zu langwierigen Grenzkontrollen. Die Vorteile des Binnenmarktes wollen alle gerne nutzen aber sie sollen auch nachhaltig für die Zukunft gesichert werden.

Der Beitrag „Schulische Bildung – gemeinsame Herausforderung für Europa“  von den Schülerinnen Filippa und Anna siegte bei dem Wettbewerb des Rotary Clubs und wurde mit einem Preisgeld von 1000 Euro belohnt. Sie hatten sich  mit einer zukunftsfähigen und identitätsstiftenden Bildung auseinandergesetzt. Ein bemerkenswerter Ansatz dabei waren Lernhelfer – ältere Schüler, die die jüngeren ehrenamtlich fördern und unterstützen. An der Europaschule sind bereits 50 freiwillige Lernhelfer aktiv im Einsatz.

Max, 19 Jahre, formuliert sein Fazit aus der Projektarbeit zu Europa wie folgt:

„Man schaut mit anderen Augen auf die Diskussionen rund um Europa und hinterfragt vieles mehr. Die EU muss unbedingt erhalten bleiben, denn sie hat für uns alle viele Vorteile. Sie soll sich weiterentwickeln – Schritt für Schritt in eine stabile Zukunft!“ Jan, 18 Jahre, ergänzt: „Für Europa ist es sehr wichtig, dass man Visionäre wie Emanuel Macron mit dem Karlspreis ehrt, damit allen die besondere Bedeutung dieser Gemeinschaft bewusst wird.“