Flüchtlingsunterbringung entspannt – Einige Umzüge stehen an

Aachen: Die Unterbringung von Flüchtlingen verläuft in Aachen noch immer relativ entspannt. Aktuell beträgt die Zahl der in Aachen untergebrachten Flüchtlinge 2196 Personen. Hiervon sind 800 Menschen in städtischen Übergangsheimen und 1.396 Menschen in Einzelwohnungen verteilt im Stadtgebiet untergebracht. 

Aufgabe der Landeseinrichtung wirkt sich nicht wie erwartet aus

Status quo: Der von der Verwaltung für 2017 erwartete Zuzug von 75 geflüchteten Menschen pro Monat ist bisher so nicht erfolgt. Die Anzahl der unabhängig von dieser Zahl vor allem im Rahmen der unerlaubten Einreise und des Familiennachzuges aufgenommenen Menschen wurde gleichzeitig durch Weg- und Auszüge vollständig kompensiert. Auch die Aufgabe der Landeseinrichtung am Westbahnhof und der Abzug der entsprechenden Plätze haben sich nicht wie erwartet auf die Zahl der zugewiesen Flüchtlinge ausgewirkt. Fazit: nach wie vor hat die Stadt Aachen im Vergleich zu anderen Städten in NRW zu viele Menschen aufgenommen. 

Dass weiter geflüchtete Menschen nach Deutschland und damit auch nach Aachen kommen und untergebracht werden müssen, ist allerdings sehr wahrscheinlich. Eine Prognose für den zukünftigen Bedarf abzugeben, hält der städtische Beigeordnete Professor Dr. Manfred Sicking jedoch nach wie vor für schwierig. „Das hängt von sehr vielen Faktoren ab“, erklärte er. Nach Angaben des MIK (Ministerium für Inneres und Kommunales NRW) kämen weiterhin wöchentlich 800 bis 1000 Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen. Unter Berücksichtigung gleichbleibend hoher Asylantragszahlen und der Schätzung der Bundesregierung, wonach für das Jahr 2017 bis zu 400.000 Flüchtlinge erwartet werden, geht die Stadt Aachen ab Mai 2017 von einer angepassten mittleren Prognose von 55 zugewiesenen Menschen pro Monat aus. 

Auf Veränderungen zeitnah und adäquat reagieren

Diese angepasste mittlere Prognose gilt auch für das Jahr 2018. Voraussichtlich bis Mitte nächsten Jahres stehen danach ausreichend Plätze zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. Aufgrund des Wegfalls von nur befristet zur Verfügung stehenden Wohnraums müssen im kommenden Jahr allerdings rund 700 Plätze neu geschaffen werden. „Trotzdem stehen wir gut da“, bestätigt Rolf Frankenberger, Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration. „Wir müssen die Situation allerdings sorgfältig beobachten und gleichzeitig die Bedarfsplanung gut im Auge behalten, um auf Veränderungen zeitnah und adäquat reagieren zu können“, sagt Frankenberger weiter.  

Vor diesem Hintergrund wird die Stadt Aachen weiterhin  alle bisher als Flüchtlingsunterkunft geschaffenen Plätze beibehalten. Durch die zeitliche Befristung von Unterbringungsmöglichkeiten erfolgt in den kommenden Monaten ohnehin eine Reduzierung der Platzzahlen um über 200 Plätze. Über eine eventuelle Zwischennutzung freier Plätze soll nach Einzelfall kurzfristig entschieden werden. 

Zwischennutzung der Spaceboxen durch die Bundeswehr

Als Zwischennutzung ist aktuell auch die Anfrage der Bundeswehrverwaltung zu sehen, die die mobilen Wohneinheiten auf dem Gelände der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne als Unterbringungsmöglichkeit für ihre Seminar- und Schulungsteilnehmer nutzen möchte. Durch einen noch abzuschließenden Mietvertrag soll gewährleistet sein, dass die Bundeswehr die so genannten „Spaceboxen“ nutzen kann, gleichzeitig aber die dort aufgestellten 52 „Spaceboxen“ im Bedarfsfall wieder kurzfristig als Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge genutzt werden können.   

Die auf dem Gelände der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne untergebrachten Flüchtlinge werden Anfang Juli in die nur wenige Meter entfernt aufgestellten und bisher nicht genutzten „Spaceboxen“ auf dem ehemaligen Sportplatz Adenauerallee an der Heidbendenstraße verlegt. Sandra Knabe, Abteilungsleiterin „Übergangswohnen“ im städtischen Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration, erklärt, dass ein solcher Umzug die geflüchteten Menschen so wenig wie möglich belasten werde. „Ihre Wohnsituation wird sich aufgrund der geringen Entfernung zwischen den beiden Standorten und der gleichen Ausstattung der Spaceboxen kaum verändern. Vor allem die Kontakte zum ehrenamtlichen Netzwerk in Burtscheid können so aufrechterhalten werden“, sagt sie. Und ergänzt: „Würden wir die Flüchtlinge woanders unterbringen, würde die vorhandene ehrenamtliche Unterstützung aufgrund der großen Entfernung vermutlich abreißen. Und gerade das wollen wir nicht, denn die Unterstützung der „Neuen Nachbarn“  ist so wichtig zur Integration der Flüchtlinge.“ 

Die Bewohner des demnächst aufzugebenden Standorts Franzstraße, die derzeit vom DRK betreut werden, sollen ebenfalls in Kürze in andere Einrichtungen umziehen Das bislang dort eingesetzte DRK zieht mit nach Burtscheid und übernimmt die den Anwohnern im Rahmen einer früheren Informationsveranstaltung zugesagte Rund-um-die Uhr Betreuung der dann dort untergebrachten Flüchtlinge. 

Informationsveranstaltung vor Ort

Um die Anwohner, aber auch alle interessierten Bürger, über den zukünftigen Bezug der Flüchtlingsunterkunft an der Heidbendenstraße zu informieren, ist am Donnerstag, 22. Juni, von 18.30 bis 20 Uhr eine Informationsveranstaltung vor Ort geplant. An diesem Abend können der Standort und natürlich auch die mobilen Wohneinheiten besichtigt werden und es gibt die Möglichkeit, offene Fragen zu klären.