Infotafeln erinnern an Zweiten Weltkrieg in Aachen

Aachen: Der Westwall, noch an mehreren Stellen im Aachener Stadtgebiet sichtbar, gilt bis heute als mahnendes Beispiel für das kriegerische Treiben der Nazidiktatur und die verheerenden Folgen, die dies für die Menschen in Deutschland und ganz Europa mit sich brachte. Bei Spaziergängen und Wanderungen stoßen Passanten immer wieder auf diese Relikte aus Stahlbeton, die ein Stück weit noch das Landschaftsbild prägen. An zwei markanten Stellen – im Bereich Schneeberg und am Relais Königsberg – kann man nun „direkt vor Ort“ Wissenswertes über den Westwall und die besondere Rolle Aachens im Zweiten Weltkrieg erfahren. 

Die Stelltafeln in Aachen sind im Zusammenhang mit dem Verbundprojekt des Landschaftsverbandes „1914 – Mitten in Europa – Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ entstanden. Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland hat hierfür in jüngerer Vergangenheit eine Bestandsaufnahme archäologischer Kriegsrelikte des 20. Jahrhunderts durchgeführt. Neben einem Buch, das zu diesem Thema veröffentlicht worden ist, sind im Rheinland insgesamt elf Infotafeln an besonders geschichtsträchtigen Orten aufgestellt worden, zwei davon nun in Aachen.

„Dies hängt mit der besonderen Bedeutung der Stadt sowohl im Zusammenhang mit dem Ausbau der Westbefestigung zwischen 1938 und 1940, dem sogenannten Westwall, zusammen als auch mit der militärischen Entwicklung im Zweiten Weltkrieg, als Aachen im September/Oktober 1944 zur ersten befreiten Stadt im Deutschen Reich wurde“, erklärte Wolfgang Wegener vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland beim Pressetermin am 22. November an einer der Informationstafeln, die nun am Schneeberg steht. Die zweite hat der Landschaftsverband Rheinland am Relais Königsberg errichten lassen. „An beiden Standorten sind längere Abschnitte einer fünfzügigen Panzersperre beziehungsweise Reste einer der seltenen Panzermauern erhalten“, begründete Wegener die Auswahl. Zudem befinden sich in unmittelbarer Nähe mehrere gesprengte Bunkeranlagen.

Auf den Tafeln werden nun in Text und Bild die Westwallstellung und ihre historische Bedeutung erklärt. „Sie wurden extra an solchen Stellen aufgestellt, die für den Wanderer oder Radtouristen gut erreichbar sind und die auch die Einbindung der Befestigung in die Landschaft erlebbar machen“, sagte Wegener.  

Aachens Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic begrüßt das LVR-Projekt, das mit den beiden Infotafeln in Aachen sehr gut vertreten ist: „Der Westwall erinnert uns daran, dass ein freiheitliches und der Einigung zustrebendes Europa nicht selbstverständlich ist, sondern ein wertvolles Ziel, an dem wir ständig arbeiten müssen.“ Gerade in Aachen und der Euregio sei der Prozess der Überwindung von Grenzen spürbar und ein wichtiger Faktor für die Region. „Vielleicht darf man im Westwall auch unabhängig von seiner Zeitstellung ein Sinnbild für die Willkür und letztlich auch die Nutzlosigkeit sehen, mit der allzu oft gewaltsam Grenzen gezogen wurden und werden.“, so Pavlovic weiter.

Der Westwall ist von 1938 bis 1940 gebaut worden. Er bestand aus einem System von Panzersperren, Stollen, Gräben und befestigten Kampfbunkern. Errichtet wurde der Westwall zwischen Kleve und Weil am Rhein über circa 630 Kilometer – mit insgesamt 18.000 Bunkern und Stollen.