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Jakobstraße: Stadtarchäologie entdeckt alte Römerstraße

Aachen: Bei den Bauarbeiten in der Jakobstraße, wo noch bis zum Beginn des Weihnachtsmarktes Ende November automatisch versenkbare Poller, sogenannte Pilomaten, eingesetzt werden sollen, hat die Stadtarchäologie in der Grube nun Teile einer gut erhaltenen Römerstraße entdeckt. In gut einem Meter Tiefe liegt die Kunststraße, die auf einem Unterbau aus Sand und Feuersteinkies fußt. Darüber haben die Römer aus Kalk- und weiteren Steinarten eine Rollschicht angelegt, die als Straßenoberfläche diente. Stadtarchäologe Andreas Schaub: „Diese Römerstraße ist nach unseren ersten Erkenntnissen frühestens im 2. Jahrhundert entstanden. Eine genaue Auswertung der Befunde steht allerdings noch aus, denn die Entdeckung ist taufrisch.“

Erster sichtbarer Beweis

Fachleute sind seit langem davon ausgegangen, dass im Bereich der heutigen Jakobstraße vor knapp 2000 Jahren bereits Römer auf befestigten Wegen unterwegs waren. Allein: Einen Beweis dafür in Form eines ausgegrabenen Teilstücks einer Straße gab es bisher nicht.

Die Experten können nun den altertümlichen Straßenkörper über die gesamten 9 Meter Länge der Baugrube in der Jakobstraße verfolgen und dadurch auch Rückschlüsse auf den Verlauf der Römerstraße ziehen. „Diese Straße verlief nicht exakt nach der Ausrichtung der heutigen Jakobstraße, sondern leicht verschwenkt. Das passt dann auch besser zu den römischen Gebäudeausrichtungen, die wir im Innenstadtbereich haben“, erklärt Schaub. „Es ist toll, dass wir das nun endlich einmal sehen können.“

Aachens Stadtarchäologe geht davon aus, dass es sich bei dem nun entdeckten Teil sogar um eine Überlandstraße der Römer gehandelt haben muss, die die Siedlungen in Aachen und Maastricht miteinander verbunden hat. „Es handelt sich um eine für damalige Maßstäbe wirklich große Straße. Wir gehen derzeit von rund 6 Metern Breite aus“, so Schaub.

Bauarbeiten sollen sich durch Funde nicht verzögern

Die Stadtarchäologie dokumentiert derzeit die Funde baubegleitend zu den weiteren Arbeiten, die in Vorbereitung der Installation der Pilomaten laufen. Zu einer Verzögerung der gesamten Baumaßnahme soll es aufgrund der archäologischen Funde nicht kommen. So werden Fundstücke aus den einzelnen Schichten nun zur weiteren Analyse entnommen, Zeichnungen angefertigt und Fotografien der Ausgrabung angefertigt. Anschließend werden die Funde in der Grube wieder verfüllt. Für die Stadtarchäologie endet damit die Arbeit jedoch nicht. „Interessant für uns ist es noch herauszufinden, wie lange die Straße benutzt worden ist“, sagt Schaub. Darüber, so hoffen die Experten, kann eine noch ausstehende Analyse von Proben der Erdschichten direkt über der Römerstraße Auskünfte geben. So sind zum Beispiel bei archäologischen Arbeiten am Katschhof auf einer Römerstraße Scherben aus dem 14. Jahrhundert gefunden worden. „Diese Straße ist also weit mehr als 1000 Jahre benutzt worden“, erklärt Schaub. Wie lange Menschen auch auf der „römischen Überlandstraße Aachen-Maastricht“ schon unterwegs waren, wird die Zukunft noch zeigen müssen.