Aachen: Seit einigen Tagen wird die Kirche St. Peter in einem beispiellosen Schulterschluss zwischen Stadt, Städteregion, des regionalen Caritas-Verbandes sowie der Pfarre St. Franziska als Tagesbetreuung für wohnungslose und bedürftige Menschen genutzt. In einem Pressegespräch in der Kirche betonten alle Beteiligten ihre große Dankbarkeit, dass die Gemeinde das Haus für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt habe. „Es ist uns allen wirklich wichtig, dass die betroffenen Menschen in diesem Winter nicht zum zweiten Mal Opfer der Pandemie werden“, sagte Michael Ziemons, Dezernent für Soziales und Gesundheit der Städteregion Aachen.

Die Coronapandemie hat besondere Auswirkungen auf wohnungslose und bedürftige Menschen. Zum einen hat sich die Einkommenssituation für die Personen, die Pfandflaschen sammeln und/oder betteln seit dem Frühjahr stark verschlechtert. Außerdem werden Lebensmittel-, Frühstücks- oder Mittagsangebote aufgrund der Abstands- und Hygienevorgaben nicht mehr in der bisherigen Form angeboten. Rolf Frankenberger, Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration: „Die Einnahme der Mahlzeiten innerhalb eines geschlossenen Raumes ist aktuell kaum realisierbar; die meisten Angebote erfolgen nur zur Mitnahme. Gleichzeitig fehlen Räumlichkeiten, in denen sich die Menschen aufhalten und in der momentanen kalten Jahreszeit auch aufwärmen können.“
 
Nur drei Wochen Vorbereitung
Entsprechend suchte die Stadt Aachen in den vergangenen Wochen gemeinsam mit den Trägern der Wohlfahrtspflege einen zentral gelegenen Raum, in dem eine Essensausgabe erfolgen, gleichzeitig aber auch niederschwellig Hilfen angeboten werden können. Durch die Pfarre Franziska von Aachen wurde den Caritas-Einrichtungen Café Plattform und Troddwar schließlich die Kirche St. Peter zur vorübergehenden Nutzung angeboten. Und nach nur drei Wochen Vorbereitung, unkomplizierten formalen Abstimmungen, finanzieller Unterstützung von Stadt  und Städteregion in Höhe von jeweils 30.000 Euro sowie kleineren Umbauarbeiten kann die Kirche jetzt entsprechend genutzt werden.
 
Wohnungslose und bedürftige Menschen werden hier bis Ende Mai montags bis samstags von 10 bis 22 Uhr sowie sonntags von 15 bis 22 Uhr unter Berücksichtigung der Corona-Schutzverordnung mit Speisen und Getränken versorgt. An Tischen und auf Bänken verteilt, finden maximal 80 Menschen gleichzeitig in der Kirche Platz. Tische und Bänke, die das Aachener Unternehmen Walbert-Schmitz als Sponsoring sowie mit viel ehrenamtlichen Engagement seiner Mitarbeiter*innen auf einem Teil der Kirchenbänke installiert hat.
 
Provisorisches Büro auf der Empore von St. Peter
Hier und in einer kleinen Medienecke haben die obdachlosen Menschen die Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum aufzuhalten und aufzuwärmen. Gleichzeitig bieten Mitarbeiter*innen von Café Plattform und Troddwar in einem provisorischen Büro, das auf der Empore von St. Peter, auf der sonst der Kirchenchor singt, eingerichtet wurde, ihre Beratung an. Duschen können die wohnungslosen Menschen dagegen weiterhin im Café Plattform und in der Einrichtung Troddwar. Im Troddwar ist den kommenden Monaten nach wie vor das Safer User – Spritzentauschangebot möglich. Die medizinische Ambulanz am Kaiserplatz bleibt ebenfalls geöffnet.
 
„Wir sind sehr froh“, so Bernhard Verholen, Geschäftsführer des regionalen Caritas-Verbandes, „dass unsere Klienten auf diese Weise in St. Peter die Möglichkeit haben, in einem geschützten Raum mit vertrauten Mitarbeiter*innen zur Ruhe zu kommen. Es hat für uns einen hohen symbolischen Wert, dass die Kirche an dieser Stelle ihre Arme weit für die von uns betreuten Menschen öffnet“.
 
Gottesdienste werden verlegt
Timotheus Eller, Pfarrer der Gemeinde St. Peter der Pfarre Franziska von Aachen, berichtete, dass sich sowohl die Gemeinde St. Peter als auch die kroatische und die vietnamesische Gemeinde gerne bereit erklärt hätten, ihre Gottesdienste in den kommenden Monaten in die Heilig-Kreuz-Kirche an der Kreuzherrenstraße zu verlegen. Eller: „Innerhalb der Gemeinde haben wir sehr viel Rückhalt gefunden, hier vorübergehend eine Tagesbetreuung für obdachlose und bedürftige Menschen anzubieten. Darüber bin ich sehr froh. Denn die Kirche ist ein Ort, an dem jeder willkommen ist“.