Unfallkommission berät über Unfallschwerpunkte in 2016

(Bild: Pixabay)

Aachen: Die Unfallkommission der Stadt Aachen tagte am 13. April und beschäftigte sich mit den so genannten Unfallhäufungsstellen im Jahr 2016. Die Ergebnisse werden dem Mobilitätsausschuss in seiner Sitzung am 6. Juli vorgestellt.

Die beiden Unfälle, bei denen Radler an der Schanz (im September 2016) und am Hansemannplatz (Ende April 2017) tödlich verunglückt sind, wurden bei dieser Sitzung im April nicht beraten. Der Unfall an der Schanz war bereits ausgiebig in dieser Runde besprochen worden und hatte einige Veränderungen zur Folge (Stoppschild, Aufpflasterung vor der Radwegefurt). Und der Unfall am Hansemannplatz ist erst nach dem Treffen der Unfallkommission passiert. Grundsätzlich gilt: sobald sich tödliche Unfälle ereignen, tritt die Verkehrsbesprechung der Stadt Aachen zusammen und entscheidet als Unfallkommission, was getan werden könnte.

Die Unfallkommission tagt in der Regel einmal im Jahr. Verpflichtend gehören ihm die Verkehrsbehörde der Stadt Aachen, die Straßenbaulastträger (Stadt Aachen, Städteregion und Landesbetrieb Straßen NRW) und die Polizei an. Überdies werden an den Beratungen regelmäßig auch städtische Verkehrsplaner, die Bezirksregierung als obere Aufsichtsbehörde und die ASEAG beteiligt.

Die Fachwelt spricht von „Unfallhäufungsstellen“, wenn es dort zu einer festgelegten Zahl von „Unfällen gleichen Grundtyps“ gekommen ist. Das können zum Beispiel drei Abbiegeunfälle sein, an denen Auto- und Radfahrer an gleicher Stelle beteiligt waren.

Die Unfallkommission hat sich im April mit insgesamt zwölf „Unfallhäufungsstellen“ im Jahr 2016 beschäftigt. Dringenden Handlungsbedarf sieht sie an fünf Stellen.  

Hier besteht Handlungsbedarf

An der Einmündung An der Schanz/Im Johannistal ist es zu vier Unfällen gekommen, an denen Radler beteiligt waren. Bei drei davon kamen die Radler von der Lütticher Straße, waren auf dem Zweirichtungsradweg in Richtung Vaalser Straße bergab unterwegs und wurden von Autofahrern übersehen, die aus der Straße Im Johannistal kamen.

Die rote Einfärbung des Radwegs an der Einmündung soll deshalb erneuert werden. Zusätzlich werden das Radfahrersymbol und zwei gegenläufige Pfeile markiert. Das Vorfahrt-gewähren-Schild mit dem Zusatzschild „Radfahrer aus zwei Richtungen“ in der Straße Im Johannistal wird tiefer gehängt und zusätzlich eine gestrichelte Wartelinie vor dem Radweg auf den Asphalt aufgebracht.

Mit beiden Fahrtrichtungen der Peterstraße zwischen Kurhausstraße und Hansemannplatz beschäftigte sich die Unfallkommission. In diesem stark befahrenen Abschnitt kommen sich immer wieder vor allem PKW und Busse in die Quere: beim Linksabbiegen in die Schumacherstraße oder auch bei unerlaubten Spitzkehren auf Höhe der Schumacherstraße. Hier könnten weitere Leitschwellen in Richtung Bushof helfen, die PKW- und Busspuren noch eindeutiger voneinander zu trennen.

Kompliziert ist auch die Situation in Richtung Hansemannplatz, wo Rechtsabbieger in die Schumacherstraße sowohl einen Radfahrstreifen als auch eine Busspur überqueren müssen. Hier soll die Beschilderung ergänzt werden. Bislang ist der Radfahrstreifen nur mit Symbolen auf der Fahrbahn gekennzeichnet, zukünftig soll das blaue Radfahrerschild kurz hinter der Kreuzung Blondelstraße direkt neben das Schild Busspur gehängt werden.

Im Bushof selbst sind mehrmals an den Haltestellen wartende Fahrgäste von den Spiegeln ankommender Busse erfasst worden. Die Unfallkommission empfiehlt, an den Haltestellen blaue Linien zu markieren, die als Abstandshalter dienen sollen.

Der Boxgraben war zwei Mal Thema in der Unfallkommission: zum einen ging es um die Kreuzung Hubertusplatz, Mariabrunnstraße, Weberstraße, zum anderen um die Zufahrt zu einem Discounter auf dem Abschnitt Mozartstraße und Südstraße.

Die Verkehrssituation an der Kreuzung konnte durch die Neumarkierung deutlich entschärft worden. Doch das Linksabbiegeverbot vom Boxgraben in die Weberstraße wird „stark missachtet“. Deshalb soll ein auf den Asphalt gemalter Geradeauspfeil in der bergauf führenden Fahrspur auf Höhe des Hubertusplatzes das Abbiegeverbot weiter verdeutlichen.

An der Bushaltestelle in Gegenrichtung wird das Haltestellenschild näher an die Hauswand gesetzt. Bislang steht der Mast mitten auf dem Gehweg. Das veranlasst Fußgänger offenbar dazu, auf die Fahrbahn auszuweichen.

Zwischen der Süd- und Mozartstraße im Boxgraben gibt es eine Einfahrt zu einem Discounter, an dem bereits mehrere Unfälle passiert sind, an denen  Linksabbieger vom Boxgraben in den Parkplatz und Radfahrer aus der Gegenrichtung beteiligt waren. In einem ersten Schritt wird in den Radfahrstreifen zusätzlich das blaue Radfahrer-Verkehrszeichen markiert. In einem weiteren Schritt wäre hier auch ein grundsätzliches Linksabbiegeverbot denkbar.

Bei den Unfällen an der Einmündung Hirschgraben/Neupforte waren meist Radfahrer beteiligt, die von rechts abbiegenden Autofahrer übersehen wurden. Da die Markierung eigentlich klar ist, die Radler durch die Gefällstrecke aber relativ schnell werden, wird in die Kraftfahrzeugspur kurz vor der Neupforte zusätzlich das  Kombinationsverkehrszeichen „Achtung Radfahrer beim Rechtsabbiegen“ markiert.

In der Parkhauszufahrt am Seilgraben wird der Radfahrstreifen um ein blaues Radfahrer-Piktogramm ergänzt, um die Aufmerksamkeit der Autofahrer beim Abbiegen aus beiden Fahrtrichtungen zu erhöhen. 

An der Kreuzung Süsterfeldstraße, Seffenter Weg, Claßenstraße und Bunsenstraße geschahen in 2016 drei Unfälle, die bei eingeschalteter Ampel nicht passiert wären. Deshalb wird die Ampelanlage in der Nacht nicht mehr ausgeschaltet.

Weiter unter kritischer Beobachtung

Im Streckenabschnitt Junkerstraße, Welkenrather Straße, Bleiberger Straße wurde von Oktober bis Dezember 2016 die Beschilderung und Fahrbahnmarkierung verändert. Das hat nach Einschätzung der Unfallkommission dazu geführt, dass sich dort die Unfallgefahr verringert hat. Der bislang letzte, dort aufgenommene Unfall passierte im Juli 2016, also vor den Veränderungen. Dieser Abschnitt bleibt aber unter kritischer Beobachtung.   

Weiter beobachtet werden auch die Kreuzungen Krefelder Straße, Prager Ring, Eulersweg (insgesamt 11 Unfälle in 2016), Trierer Straße, Madrider Ring, Adenauerallee (12 Unfälle), Viktoriaallee, Bismarckstraße (2 Unfälle; dort, in einer Tempo-30-Zone, wird zu schnell gefahren, deshalb wird hier in Zukunft kontrolliert), Löhergraben, Annastraße, Mörgensstraße (keine Unfälle in der Kreuzung, aber im Umfeld), sowie die Einmündung Joseph-von-Görres-Straße in und aus dem  Europaplatz (7 Unfälle) und die Situation im Umfeld der Autobahnanschlussstelle Kohlscheider Straße zwischen Autobahn und Pariser Ring (5 Unfälle).